Sportheim Zwiefalten: Elektroheizung raus, Wärmepumpe rein
Aktualisiert: vor 2 Tagen
Ein Sportheim aus dem Jahr 1977, geheizt mit Strom-Direktheizungen aus dem Jahr 1990: So war der Ausgangspunkt beim TSG 1894 Zwiefalten e. V. Heute versorgt eine Luft/Wasser-Wärmepumpe das Gebäude, die Innenbeleuchtung ist auf LED umgestellt, und der Verein hat einen Plan für die nächsten Schritte. Ein Rückblick auf ein Projekt, das im Frühjahr 2025 mit einer Beratung begann und im Herbst 2026 abgeschlossen wurde.
Die Ausgangslage
Das Vereinsheim im Dobeltal ist ein eingeschossiger Flachdachbau mit rund 195 Quadratmetern Nettogrundfläche. Genutzt wird es vor allem von der Jugendabteilung – rund fünf Altersklassen, dreimal pro Woche Training, dazu Spielbetrieb in der Spielgemeinschaft mit dem TSV Hayingen und dem TSV Pfronstetten. Insgesamt kommen regelmäßig etwa 60 Personen ins Haus, dazu Sitzungen, das jährliche Sportwochenende und gelegentliche Feiern.
Geheizt wurde dezentral: Elektro-Direktheizungen in den einzelnen Räumen, Baujahr 1990. Das Warmwasser für die Duschen kam aus einem 800-Liter-Speicher mit Elektroheizstab. Dazu kamen Fenster aus dem Baujahr, schlecht gedämmte Warmwasserleitungen, keine Lüftungsanlage, keine Photovoltaik. Am Flachdach und an der Fassade zeigten sich Feuchtespuren und Risse.

Schritt 1: Erst die Beratung, dann die Baustelle
Begonnen haben wir nicht mit einem Angebot, sondern mit einer geförderten Energieberatung für Nichtwohngebäude. Dazu gehört eine Aufnahme vor Ort, die Berechnung des Gebäudes nach DIN V 18599 und ein Bericht, der zeigt, wo das Gebäude steht und welche Maßnahmen in welcher Reihenfolge sinnvoll sind.
Besonders wichtig war in diesem Fall das Nutzerprofil. Ein Sportheim wird anders betrieben als ein Bürogebäude: Die Räume stehen die meiste Zeit leer, geduscht wird nur sporadisch, und die Aktiven sind wegen der Spielgemeinschaft phasenweise gar nicht vor Ort. Der rechnerische Bedarf nach Norm liegt deshalb um ein Vielfaches über dem, was tatsächlich verbraucht wird. Wer das nicht aufnimmt, dimensioniert die neue Anlage zu groß.
Aus der Berechnung sind drei Maßnahmenpakete entstanden:
• Paket 1: Flachdach und Beleuchtung
• Paket 2: Anlagentechnik und Photovoltaik
• Paket 3: Gebäudehülle
Die Pakete bauen aufeinander auf. Den Sanierungsplan habe ich der Vorstandschaft im April 2025 persönlich vorgestellt – mit allen Varianten, auch denen, die ich nicht empfohlen habe. Die Vorstandschaft hat sich anschließend dafür entschieden, mit Anlagentechnik und Beleuchtung zu beginnen.
Schritt 2: Die neue Heizung
Die Elektro-Direktheizungen sind raus. An ihre Stelle ist eine zentrale Luft/Wasser-Wärmepumpe getreten, Nennwärmeleistung 13 Kilowatt, mit dem natürlichen Kältemittel Propan (R290). Die Außeneinheit sitzt auf einer Wandkonsole an der Fassade, nicht auf dem Boden.

Im Technikraum sind Pufferspeicher und Trinkwarmwasserbereitung zusammengeführt, die Verteilung läuft über neue Heizkörper. Alle Leitungen und Armaturen wurden gedämmt – gerade bei der Warmwasserverteilung war das vorher ein Schwachpunkt. Der hydraulische Abgleich wurde nach Verfahren B ausgeführt, die Fachunternehmererklärung liegt vor.

Meine Rolle war die der energetischen Baubegleitung: technische Projektbeschreibung, Abstimmung mit dem Heizungsbauer, Kontrolle der Ausführung vor Ort und die Dokumentation für den Fördermittelgeber.
Schritt 3: Die Beleuchtung
Parallel lief die Umstellung der Beleuchtung – innen im Sportheim und draußen an der Sportstätte im Dobeltal. Grundlage war eine Lichtberechnung für jeden Raum, nicht ein pauschaler Leuchtentausch. Im Zuge der Arbeiten hat der Verein die alte Holzdecke im Gastraum durch eine neue Deckenverkleidung ersetzt, in Eigenleistung.
Bei der Abnahme ist mir aufgefallen, dass die Einbauleuchten im Gastraum mit 3000 Kelvin ausgeliefert und eingestellt waren statt mit den geplanten 4000 Kelvin. Das klingt nach einer Kleinigkeit, ist aber keine: An der Lichtfarbe hängt die Lichtausbeute, und die Lichtausbeute ist genau das, was bei einer geförderten Beleuchtungssanierung nachgewiesen werden muss. Der Elektrobetrieb hat alle 15 Leuchten nachgestellt und die Umstellung fotografisch dokumentiert. Damit erfüllen jetzt alle eingebauten Leuchtentypen die technischen Mindestanforderungen.

Genau dafür gibt es die Baubegleitung. Wäre der Punkt erst beim Verwendungsnachweis aufgefallen, hätte der Verein ein Problem gehabt.
Was nicht gebaut wurde
Für die Flachdachsanierung lag eine Planung vor. Ausgeführt wurde sie nicht – der Verein hat sie zurückgestellt. Das gehört zu einem ehrlichen Projektbericht dazu: Ein Sanierungsfahrplan ist kein Vertrag, sondern eine Entscheidungsgrundlage. Welche Pakete wann kommen, entscheidet der Bauherr, nicht der Energieberater. Die Planung bleibt gültig und liegt beim Verein, wenn das Dach ohnehin ansteht.
Was Vereine daraus mitnehmen können
Zuerst rechnen, dann bestellen. Die Reihenfolge der Maßnahmen entscheidet darüber, ob die spätere Anlage passt. Wer die Heizung tauscht, bevor klar ist, was mit Dach und Fenstern passiert, legt die Leistung auf einem Stand fest, der sich später ändert.
Das Nutzerprofil ist kein Formular. Bei einem Vereinsheim weicht die tatsächliche Nutzung stark von der Norm ab. Diese Angaben muss der Verein liefern – ehrlich und möglichst mit Zahlen aus der Praxis.
Der Vorstand entscheidet, nicht der Berater. Ein Sanierungsfahrplan sollte so aufbereitet sein, dass ihn eine Vorstandschaft in einer Sitzung verstehen und beschließen kann.
Technische Details sind förderrelevant. Lichtfarbe, Dämmung der Leitungen, hydraulischer Abgleich: Das sind die Punkte, die später im Verwendungsnachweis geprüft werden. Sie müssen bei der Ausführung stimmen, nicht erst in der Rechnung stehen.
Eigenleistung ist möglich – mit Nachweis. Was der Verein selbst einbaut, muss zuordenbar und fachgerecht sein und vor Ort bestätigt werden.
Fazit
Aus einem Gebäude, das mit Strom direkt geheizt wurde, ist in knapp anderthalb Jahren ein Sportheim mit zentraler Wärmepumpe und LED-Beleuchtung geworden – in zwei Schritten, die aufeinander abgestimmt waren, und ohne dass der Verein sich für das ganze Paket auf einmal entscheiden musste.
Sie haben ein Vereinsheim, eine Halle oder ein anderes Nichtwohngebäude, bei dem die Technik in die Jahre gekommen ist? Sprechen Sie mich an – der erste Schritt ist immer die Bestandsaufnahme, nicht das Angebot. Weitere abgeschlossene Arbeiten finden Sie unter Projekte, einen Überblick über das Vorgehen bei der Sanierung.





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