Ehemalige Klosteranlage in Laiz: zwei Denkmale von 1308
Ein Gebäude, das seit 1308 steht, verzeiht keine Standardlösung. In Sigmaringen-Laiz habe ich für zwei Bauabschnitte einer ehemaligen Klosteranlage je einen individuellen Sanierungsfahrplan erstellt und die Umsetzung als Energieberater begleitet. Beide Gebäudeteile stehen unter Denkmalschutz, beide standen jahrelang leer.
Die Ausgangslage
Giebel mit Putzschaeden vor der Sanierung, Denkmal in Laiz Laengsansicht des Gebaeudeteils mit historischer Mauer vor der Sanierung Fassade mit Putzabplatzungen vor der Sanierung Laengsansicht des zweiten Gebaeudeteils im Ausgangszustand
Zwei Mehrfamilienhäuser, beide aus dem Jahr 1308, beide mit einer Zentralheizung von 1994 und ohne jede erneuerbare Energie. Was über siebenhundert Jahre gewachsen ist, zeigte sich bei der Bestandsaufnahme als Sammlung sehr unterschiedlicher Schwachstellen.
Bauabschnitt 1 – drei Vollgeschosse, rund 576 Quadratmeter Wohnfläche, unbeheizter Keller, beheiztes Dach. Vorgefunden: fehlende thermische Trennung, Zugerscheinungen an Türen und Fenstern, ungedämmte Heizkörpernischen bei ohnehin geringer Außenwandstärke, eine Aluminiumtür mit Kondensat auf der Innenseite, veraltete Anlagentechnik und fehlende Rohrleitungsdämmung.
Bauabschnitt 2 – ein Vollgeschoss, rund 541 Quadratmeter, kein Keller, beheiztes Dach. Hier waren es das ungedämmte Dach, fehlender Putz und großflächige Putzabplatzungen, einfachverglaste Fenster und undichte Anschlüsse.
Warum beim Denkmal die Reihenfolge zählt
Historischer Dachstuhl aus Eichenholz, Baujahr 1308 Freigelegtes Fachwerk im Innenbereich des Denkmals
Ein Denkmal lässt sich nicht behandeln wie ein gewöhnlicher Altbau. Dämmstärken, Materialien und Anschlüsse müssen mit der Denkmalschutzbehörde abgestimmt werden, die historische Substanz soll ablesbar bleiben. Gleichzeitig muss das Gebäude als Wohnraum dauerhaft und bezahlbar beheizbar sein.
Genau dafür ist der individuelle Sanierungsfahrplan das richtige Werkzeug: Er legt fest, welche Maßnahme wann an die Reihe kommt und wie die Schritte zusammenpassen – statt alles auf einmal zu versuchen und am Ende an der falschen Stelle anzufangen.
Bauabschnitt 1: erst die Hülle, dann die Technik
Alte Anlagentechnik von 1994 vor dem Austausch Gedaemmtes Dachgeschoss mit sichtbaren historischen Balken Neue Holzheizung als Waermeerzeuger aus Biomasse
Das erste Maßnahmenpaket umfasste Wand und Dach sowie die Optimierung der bestehenden Heizung. Erst im zweiten Schritt folgten Fenster und Heizung. Die Reihenfolge ist kein Zufall: Wer die Heizung vor der Dämmung erneuert, legt sie auf einen Wärmebedarf aus, den das Haus danach nicht mehr hat.
Bauabschnitt 2: erst die Fenster
Innenhof waehrend der Bauphase des zweiten Bauabschnitts
Beim zweiten Gebäudeteil lag der Fall anders. Hier standen die einfachverglasten Fenster am Anfang, Dach und Heizung folgten im zweiten Paket. Im Inneren blieb das Fachwerk sichtbar und trifft jetzt auf neue Fensterelemente – der Gegensatz, der solche Häuser ausmacht.
Zwei Jahre, zwei Förderwege – und das zweimal
Die Umsetzung lief je Gebäudeteil in zwei Etappen, und das war der eigentliche Hebel. Im ersten Jahr wurden die Maßnahmen als Einzelmaßnahmen umgesetzt und entsprechend gefördert. Im zweiten Jahr ging das Vorhaben einen Schritt weiter: Der Gebäudeteil wurde auf den Standard KfW-Effizienzhaus Denkmal gebracht.
Dieser Standard ist eigens für Baudenkmale und besonders erhaltenswerte Bausubstanz gedacht. Er verlangt nicht, was ein Neubau leisten muss, sondern das, was an einem geschützten Gebäude überhaupt möglich ist – und genau deshalb passt er hier. Die energetische Baubegleitung ist dabei keine Kür, sondern Voraussetzung: Ohne sie gibt es die Förderung nicht.
Beide Bauabschnitte sind diesen Weg gegangen, jeder für sich und mit eigener Nachweisführung. Der zweite Bauabschnitt folgte dabei um ein Jahr versetzt. Das klingt nach doppelter Arbeit und war es auch – aber es hat jedem Gebäudeteil den Zeitplan gelassen, den seine Substanz gebraucht hat.
Meine Leistung
• Bestandsaufnahme beider Gebäudeteile vor Ort: Bauteile, Anlagentechnik, Geometrie
• Zwei individuelle Sanierungsfahrpläne nach den Vorgaben des BAFA, jeweils mit Ist- und Zielzustand
• Aufteilung in aufeinander abgestimmte Maßnahmenpakete mit Umsetzungszeitpunkten
• Umsetzungshilfe je Maßnahmenpaket als Grundlage für die Ausschreibung
• Energetische Baubegleitung für beide Gebäudeteile, je über zwei Jahre – im ersten Jahr für die Einzelmaßnahmen, im zweiten Jahr für den Weg zum KfW-Effizienzhaus Denkmal, getrennt nachgewiesen
• Mithilfe bei den Förderanträgen, von der Bestätigung zum Antrag bis zum Nachweis nach der Umsetzung
• Beratung zu den Anforderungen des Denkmalschutzes an Dämmung, Materialien und Anschlüsse
Das Ergebnis
Aus zwei leer stehenden Denkmalen ist wieder Wohnraum geworden – am Ende auf dem Niveau eines KfW-Effizienzhauses Denkmal. Die Wärme kommt aus Biomasse statt aus fossiler Energie, historisches Gebälk und Fachwerk sind sichtbar geblieben, und die Klostermauer steht noch da, wo sie seit Jahrhunderten steht.
Hofansicht des sanierten Denkmals in Sigmaringen-Laiz Sanierter Innenhof der ehemaligen Klosteranlage Sanierte Laengsansicht mit erhaltener historischer Mauer
Sie haben ein Denkmal vor sich?
Ob Scheuer, Klostergebäude oder denkmalgeschütztes Wohnhaus: Der erste Schritt ist immer dieselbe Frage – was darf verändert werden, und in welcher Reihenfolge rechnet es sich? Darüber sprechen wir am besten vor Ort.





Kommentare