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Was ist die Einzelraumheizlast? Der Schlüssel zur effizienten Heizungsplanung


Einführung: Warum Raum für Raum rechnen?


Stellen Sie sich vor: Sie heizen Ihr Wohnzimmer im Winter – aber die Heizung schafft es nicht, den Raum auf behagliche 21°C zu bringen. Gleichzeitig glüht das Bad förmlich. Schuld ist oft eine falsch berechnete Einzelraumheizlast. Doch was verbirgt sich hinter diesem Fachbegriff?


Kurzdefinition:

Die Einzelraumheizlast (ΦHL,R) ist die Wärmemenge in Watt (W), die einem Raum stündlich zugeführt werden muss, um bei kältester Außentemperatur eine gewünschte Innentemperatur zu halten – unter Berücksichtigung aller Wärmeverluste.

Ein Mädchen und eine Frau laufen barfuß auf einem Holzboden
©pexels

Warum ist das wichtig?


  • 🔥 Energieeffizienz: Überdimensionierte Heizkörper verschwenden Energie.

  • ❄️ Komfort: Gleichmäßige Wärmeverteilung ohne Kältenester.

  • 💰 Kosten: Präzise Dimensionierung spart Investitions- und Betriebskosten.


1. Einzelraumheizlast vs. Gebäudeheizlast: Der entscheidende Unterschied

Kriterium

Einzelraumheizlast

Gebäudeheizlast

Berechnungsebene

Einzelner Raum

Gesamtes Gebäude

Zweck

Dimensionierung von Heizkörpern, Fußbodenheizkreisen

Auslegung des Wärmeerzeugers (z.B. Heizkessel)

Einflussfaktoren

• Raumgeometrie• Fensterflächen• Anschlüsse an unbeheizte Räume

• Hüllfläche des gesamten Gebäudes• Lüftungswärmeverluste

Praxisbeispiel: Ein 20 m² großes Wohnzimmer mit 5 m² Fensterfläche hat eine höhere Einzelraumheizlast als ein gleich großes Schlafzimmer mit kleineren Fenstern – obwohl die Gebäudeheizlast für beide Räume identisch erscheint.


2. Die 5 Schlüsselfaktoren der Berechnung (nach DIN EN 12831)


2.1 Transmissionswärmeverluste (ΦT)

Wärmeverlust durch Wände, Fenster, Decken und Böden.


2.2 Lüftungswärmeverluste (ΦV)

Energieverlust durch Luftaustausch:


2.3 Wärmebrückenzuschläge (ΔΦTB)

Zusätzliche Verluste durch geometrische oder materialbedingte Kältebrücken (z.B. Balkonanschlüsse, Ecken):


2.4 Aufheizzuschlag (ΦRH)

Erhöhung der Heizlast für schnelles Aufheizen nach Absenkung:

  • Bei Wohnräumen: nicht erforderlich (Dauerheizbetrieb)

  • Bei Kirchen/Sporthallen: bis zu +20%


2.5 Wärmegewinne (ΦS)

Werden bewusst nicht abgezogen!

Die Norm geht konservativ vor: Solargewinne durch Fenster oder interne Wärmequellen (Personen, Geräte) bleiben unberücksichtigt.


3. Schritt-für-Schritt: So wird’s berechnet


Beispielrechnung für ein 15 m²-Büro (θ_int = 20°C, θ_e = –10°C):

Bauteil

U-Wert [W/m²K]

Fläche [m²]

ΔT [K]

Verlust [W]

Außenwand

0,24

12,0

30

86,4

Fenster

1,30

3,0

30

117,0

Decke (zum Dach)

0,22

15,0

30

99,0

Summe ΦT




302,4

  • ΦV = 0,34 · 40,5 m³ · 0,7 · 30 = 289,2 W

  • ΔΦTB = 0,10 · 302,4 W = 30,2 W

  • Gesamtheizlast = 302,4 + 289,2 + 30,2 = 621,8 W

👉 Der Raum benötigt also mindestens einen 650 W-Heizkörper.

Heizschlangen einer Fußbodenheizung
©pixabay

4. Typische Fehler & wie man sie vermeidet


❌ Fehler 1: Vernachlässigung von Wärmebrücken

Folge: Unterdimensionierte Heizkörper in Raumecken.

Lösung: Pauschaler Zuschlag von 10% oder detaillierter Nachweis.


❌ Fehler 2: Falsche Außentemperaturen

Folge: Heizung kann Extremfrost nicht kompensieren.

Lösung: Ortsspezifische Werte nutzen (z.B. über KfW-Wetterdaten).


❌ Fehler 3: Vernachlässigung von Luftundichtheiten

Folge: Höhere Lüftungsverluste als berechnet.

Lösung: Bei alten Fenstern n = 1,0 ansetzen statt 0,7.


5. Warum Software unverzichtbar ist


Moderne Tools automatisieren:

  • Berücksichtigung von 3D-Geometrien

  • Normgerechte Zuschläge (DIN EN 12831-1)

  • Schnelles Variantenvergleich (z.B. bei Dämmung)


⚠️ Achtung: Die Berechnung darf nur durch Fachpersonal (Energieberater, Heizungsbauer) erfolgen!


Fazit: Präzision schafft Effizienz


Die Einzelraumheizlast ist kein theoretisches Konstrukt – sie ist die Grundlage für ein behagliches, kostensparendes Raumklima. Wer hier präzise plant:

  • Vermeidet kalte Füße im Homeoffice

  • Spart bis zu 15% Heizkosten durch richtige Dimensionierung

  • Schont die Umwelt durch reduzierten Energieverbrauch


Praxis-Tipp: Lassen Sie vor einer Heizungssanierung immer die Einzelraumheizlasten neu berechnen – alte Werte basieren oft auf veralteten Normen!

 

 

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10 Kommentare

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Gast
22. Juli 2025
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

Für unsere Sanierung hat die Berechnng Hr. Koch übernommen.

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Gast
22. Juli 2025
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

Sehr interessanter Artikel

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Gast
22. Juli 2025

Unser Heizungsbauer hat die Berechnung selbst gemacht

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Gast
21. Juli 2025
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

Mit der Berechnung war unser Heizungsbauer etwas überfordert. Dank der Hilfe von Hr. Koch hat dies dann zusammen geklappt.

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Viktoria Koch
Viktoria Koch
21. Juli 2025
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

Auch in der Sanierung verpflichtend.

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Gast
21. Juli 2025
Antwort an

War bei uns auch so.

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